s’Juramareili

Nach einem Gedicht von Paul Haller

Die Arbeitertochter Marei erlebt, wie ihr Vater auf die Mutter losgeht. Der Vater wird inhaftiert, die Mutter stirbt. Marei und ihre Schwester kommen zu einer Verwandten. Marei geht ins Welschland. Da wird sie fristlos gekündigt. Zuhause findet sie Arbeit in der Fabrik. Sie lernt einen jungen Mann kennen. Ihre Sehnsucht aber wird nicht erfüllt. Sie trifft auf ihren Vater. Das Unheil nimmt seinen Lauf...
 
Zwei Schauspielerin und ein Schauspieler erzählen und spielen Paul Hallers im Jahre 1911 entstandenes Gedicht «S Juramareili». Dieses gehört zu den eindringlichsten und leider fast vergessenen Dichtungen in Schweizer Mundart. Inhaltlich widmet sich die Geschichte jenen Leuten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.
Spiel
Eveline Ratering
 
Anja Tobler
 
Hans Rudolf Twerenbold
Regie
Hannes Leo Meier
Dramaturgie
Ueli Blum
Bühne
Marion Menziger
Kostüme
Bozena Civic
Licht
Michael Omlin
Musik
Markus Kühne
Produktionsleitung
Gabi Bernetta

Koproduktion Szenart mit Theater Tuchlaube Aarau, in Zusammenarbeit mit dem ThiK Theater in Kornhaus Baden und Palais Odeon Brugg

Spieldaten

Mi. 15. Februar 2006, 20.15 Uhr Premiere
Theater Tuchlaube, Aarau
 
Aktuelle Spieldaten siehe Spielplan.
 

Kontakt für Gastspiele: mailto:theater@szenart.ch

Tickets

Theater Tuchlaube, Aarau:
aarau info, Graben 42, Aarau oder
www.tuchlaube.ch
Tel 062/834 80 40

Rahmenprogramm

1 «Wo me dichte chönt, wenn s äin verstiend»

Lesung zu Leben und Werk des Dichters Paul Haller. Dienstag, 21. Februar, 20 00 Uhr, Stadtbibliothek Aarau
Es lesen
Anja Tobler
 
Hannes Leo Meier
 
Michael Wolf
Textzusammenstellung
Ueli Blum

Eine Initiative von SZENART in Zusammenarbeit mit Theater Tuchlaube und der Stadtbibliothek Aarau

2 «Armut heute – bei uns?!»

Recherche und Begegnung mit einem Tabu.
Armutsbetroffene Menschen erzählen: Begegnungen, Kontakte, Podium.
Donnerstag, 23. Februar, 20.15 Uhr, Theater Tuchlaube, Aarau.
Gäste
6 Armutsbetroffene (anonym)
Podium
Lisa Preisig (Caritas)
 
Johannes Enkelmann
 
(Soziale Dienste Aarau)
 
Robert Zeller (Cartons du Coeur)
 
Peter Kintner (Moderation)
 
Marion Menziger (Rauminstallationen)
Moderation
Peter Kuntner
Es liest
Eveline Ratering
Konzeption
Hannes Leo Meier
Raum
Marion Menziger
Technik
Niklaus Friedli

Eine Initiative von SZENART Aarau in Zusammenarbeit mit Theater Tuchlaube Aarau

3 «Mundart im Theater»

Kostproben. Szenen. Podium.
Warum wird auf den professionellen Bühnen nach wie vor so wenig Mundart gespielt? Montag, 20. März, 20.15 Uhr, Müllerhaus Lenzburg.
Podium
Barbara Schlumpf (Regisseurin)
 
Franziska von Fischer (Schauspielerin)
 
Hansjörg Schneider (Autor)
 
Beat Sterchi (Autor)
Moderation
Hannes Leo Meier
Überraschungsgäste
Michael Wolf, Thomas Hostettler, Franziska von Fischer, Patrick Hediger, Ueli Blum, René-Philippe Meyer, Danijela Milijic, Krunoslav Sebrek

Eine Initiative von SZENART in Zusammenarbeit mit dem Müllerhaus Lenzburg

Pressetexte

Aargauer Zeitung, 17. Februar 2006

«Auf der Suche nach dem Klang der Armut»
von Stefan Worminghaus.
 
Ein 95-jähriges Mundartgedicht praktisch unverändert auf die Bühne zu bringen, braucht Mut. Regisseur Hannes Leo Meiers Vertrauen in die Kraft der Sprache - szenisch behutsam unterstützt, getragen von herausragenden Schauspielern - hat sich bezahlt gemacht.
 
...Reihenweise wischte sich das Premierenpublikum im Aarauer Theater Tuchlaube verstohen die Augen, als die Arbeitertochter Marei nach einem bitteren Leben in Armut und verwaist stirbt, kurz bevor ihre erste, verheissungsvolle Liebe keimen konnte...
 
...hier wird «Romeo und Julia» nicht in ein utopisch adeliges Milieu, sondern in reale, verortete Armut hineingestellt...
 
... Auch die Kostüme und die rätselhaft schöne Kulisse stimmen. Über die Bühne verstreute Lampen mit vielgestaltigen Schirmen beleuchten das intensive Spiel mit Erlebnis und Erinnerung. Was als Erzählthater in zeitloser Gegenwart beginnt, taucht immer mehr in reale Vergangenheit ein. Die Erzähler werden von den Figuren mitgerissen, bis sich der Ausweg ins distanzierte Berichten verliert.
 

NZZ vom 8./9. April 2007

OHNE SCHLUCHZEN - "S Juramareili" im Theater Rigiblick
von cwe
 
Das Versumpfen in Rührseligkeit angesichts der schlimmen alten Zeiten wird bei der Inszenierung des Textes durch Hannes Leo Meier mit kühler Sorgfalt vermieden. In Anmut und Würde holt ein verlässliches Trio (Hans Rudolf Twerenbold, Eveline Ratering und Anja Tobler) Hallers Geschichte halb im Erzählen, halb im Spiel unter dem Staub hervor...
 
... Nüchtern geglückt ist auch das Bühnenbild (Marion Menziger): Die Ständerlampen spenden keinen naturalistischen Schein; sie imitieren weder das milde Sünneli noch die bösen Blitze. Der Blick bleibt daher ungetrübt: Wenn das ärmste Mareili schon auf die Bühne soll, dann so.

Mittelland Zeitung vom 15.01.2007

Die Kraft unserer Aargauer Mundart Theater am Bahnhof
Mitglieder des Theaters Szenart spielten in Reinach «s Juramareili» nach einem Epos von Paul Haller.
von Peter Siegrist
 
Perlen hat Clo Bisaz, Präsident des Theaters am Bahnhof in Reinach, für die zweite Hälfte der Saison versprochen. Eine wahre Perle in Ausdruck und Darstellung war die Aufführung des «Juramareilis» nach Paul Haller.
Die wenigsten lesen wohl heute ein 95-jähriges Mundartepos zu einem Gesellschaftsthema aus der Jahrhundertwende. Viele glauben vielleicht, die «Themen der Armut, des Alkoholismus» der damaligen Zeit noch zu wissen, haben darüber gelesen oder davon erzählen gehört. Im Theaterstück «s Juramareili» bekommt die scheinbar alte Thematik plötzlich ein neues, aktuelles Gesicht. Die Sprache des ehemaligen Pfarrers auf Kirchberg bei Küttigen (1906-1910) ist nicht mehr unsere Alltagssprache, schon gar nicht mehr die Sprache der jungen Generation. Wenn jedoch zwei Schauspielerinnen und ein Schauspieler diesem Text auf der Bühne Leben einhauchen, dann packt es die Zuhörer. Es war häufig still, andächtig still, im Saal; das behutsame Spiel fesselte die Zuschauer.
sorgfältiges Erzählspiel
Regisseur Hannes Leo Meier hat mit den Schauspielern Eveline Ratering, Anja Tobler und Hansrudolf Twerenbold drei Künstler auf der Bühne, die in Mimik und Sprache überzeugen. Es gelingt ihnen, als Erzähler, nüchtern die Geschichte voranzutreiben, in den wechselnden Rollen einzelne Personen so klar darzustellen, dass der Zuschauer einfach mitgeht. Stimmungen, Hochmut und Elend, Freude und Trauer werden von den Spielern vor allem mit schlichter, fein nuancierter Mimik und Gestik, in einfühlsamer Sprechweise dargestellt. Hallers Text weckt wohl Emotionen, ist aber nie sentimental. Häufig eher sehr direkt und klar.
Die Geschichte beginnt fröhlich und endet dramatisch: Zwei Schwestern spielen und baden an der Aare, freuen sich an der Natur. Doch die scheinbar heile Welt trügt: Zu Hause bedroht und schlägt der Vater, dem «s Gält ring de Hals ab lauft» unter Alkhoholeinfluss die Mutter. Er wird nach Lenzburg ins Zuchthaus gesteckt. Zu Hause kämpfen die Kinder und die an Schwindsucht (Tuberkulose) erkrankte Mutter ums Überleben. Die Mutter stirbt, und die Schwestern kommen zu einer Base. Mareili packt in ihrer Trauer das Fernweh, und sie tritt ein Welschlandjahr an. Als die «Madame» von der Krankheit der Mutter erfährt, schickt sie Mareili in den Aargau zurück. Die dramatische Wende setzt ein, als sich der Vater das Leben nimmt, Mareili auch zu husten beginnt und letzlich von der Tuberkulose dahingerafft wird.
Licht unterstützt das Spiel
Meier konzentriert das einfache Bühnenbild ganz auf das Wort und die Darsteller. Wohnzimmerleuchten in verschiedener Grösse und Form werden von den Spielern herumgeschoben, leuchten auf und erlöschen. Die Regie lädt die Zuschauer ein, sich zu Wort und Spiel eigene Bilder zu machen. Und dies gelingt. Die Sprache ist so stark, dass das Sozial- und Zeitkritische von Hallers Text rasch greifbar wird. Hansrudolf Twerenbold hat die Gabe, die Mundart rein und schnörkellos zu sprechen und führt gemeinsam mit den beiden Frauen die Zuschauer durch die Handlung: Schauspielkunst pur.
Anja Tobler und Eveline Ratering erzählten, und sie spielten auf eindrückliche Art ganz verschiedene Rollen.