Der Spieler

Nach Fiodor Michailowitsch Dostojewskij

„Faites vos jeux, mesdames et messieurs!“ In Roulettenburg trifft sich eine illustre Gesellschaft zu Kur und Spiel. Der General samt Entourage wartet sehnlichst auf die Nachricht vom Tod seiner Tante und einer alle erlösenden Erbschaft. Statt des erwarteten Geldsegens taucht die alte Dame aber höchstpersönlich auf, quicklebendig und resolut wie eh und je, nicht mit den mindesten Absichten, ihre Verwandtschaft aus dem sich immer klarer abzeichnenden Bankrott zu erlösen. Mit von der Partie ist auch der junge Alexej, Hauslehrer bei der Familie, unsterblich verliebt in Polina und zu allem bereit. Hin und hergeworfen zwischen Lust und Sucht, spielt er die höchsten Einsätze in der Liebe und beim Roulette.
Das in Doppelrollen agierende Ensemble parliert und spielt sich mit gewagten Einsätzen durch Dostojewskis hochemotionale Geschichte. Lustvoll werden die Abgründe um Spiellust und Spielsucht ausgelotet. Jeroen Visser unterlegt als Musiker den Klangteppich, übernimmt auch die Rolle des Croupiers, der das Roulette so lange in Gang hält, bis die ganze Erzählung, auf dem grünen Samt verspielt, liegen bleibt.
 
Dostojewski verfasste 1866 den Roman “Der Spieler” aus Geldnot in nur knapp einem Monat und hat darin seine Spielsuchterfahrungen und eine unglückliche Liebe literarisch eindrücklich verarbeitet. Das Stück "Der Spieler" reiht sich – nach "La femme du boulanger" und "S Juramareili" – in die Linie der episch-dramatischen Inszenierungen von SZENART ein.
 
 
Spiel
Nicole Steiner
 
Dodó Deér
 
Jonas Rüegg
 
Samuel Streiff
 
Jeroen Visser (Sound)
Regie
Hannes Leo Meier
Dramaturgie
Ueli Blum
Bühne
Natalie Zehnder
Kostüme
Bozena Civic
Lichtdesign
Michael Omlin
Produktionsleitung
Hannes Leo Meier, Gabriela Kossak
Regieassistenz
Janine Brunke
Bühnenassistenz
Rebecca Naldi

Koproduktion SZENART, Kurtheater Baden und Theater Tuchlaube Aarau, Kontakt: theater@szenart.ch

Spieldaten

 
Aktuelle Spieldaten 2008 siehe Spielplan
 
 
Mi, 21. Februar 2007, 20 Uhr, Kurtheater Baden Premiere
 
 
 
Rahmenprogramm
 
"Ein Sommer in Baden - Baden"
Lesung aus dem Erfolgsroman von Leonid Zypkin
 
 
"Spiellust - Spielsucht"
Eine Recherche in der Gefahrenzone
Podium mit Betroffenen, Verursachern und Fachpersonen
 
 
"Casino fatal - gamen zocken spielen"
Spielabend mit Texten zum "Spieler"
 
 
 

Pressetext

Himmel und Hölle am Spieltisch

Aargauer Zeitung, 23.2.2007, Mit Dostojewskis «Spieler» nahm sich die Gruppe Szenart viel vor. Nach der Uraufführung im Kurtheater wird das Stück auch in der Tuchlaube gespielt.
 
Von Elisabeth Feller
 
Das «Rien ne va plus» des Croupiers lässt den Adrenalinspiegel von Roulette-Spielerinnen und -Spielern in die Höhe schnellen: Gebannt verfolgen sie das anfänglich schnelle, dann langsamere Kreisen der Kugel › bis diese auf einer Zahl stehen bleibt. Aber, ach Gott, die ist nicht jene, die so verheissungsvoll erschien. Es ist zum Haareraufen! Halt! Noch ist nicht alles verloren, man kann es ja erneut versuchen, indem man auf Zéro, Carré oder Plein setzt › so lange, bis superlativischer Gewinn die Taschen füllt.
 
Himmel und Hölle am Spieltisch hat kaum einer mit derart verzehrender Leidenschaft beschrieben wie Dostojewski. Sein im fiktiven Kurort Roulettenburg situierter Roman «Der Spieler» entstand innert 30 Tagen. Kein Wunder, sass dem spielverrückten Autor doch die Geldnot im Nacken. Was im Roman gleichsam als Fiebertraum vorüberzieht, muss für die Erfordernisse des Theaters strukturiert und auf Figuren verteilt werden. Darin liegen Reiz und Gefahr einer Bearbeitung.
 
Analog zum Roman akzentuieren auch Hannes Leo Meier (Regie) und Ueli Blum (Dramaturgie) die Hauptfigur Alexei Iwanowitsch, indem sie den Selbstreflexionen ausgiebig Raum gewähren. Daneben aber führt die Regie den blutjungen Alexei auch als Erzähler ein. Als solcher macht er mit Roulettenburg und weiteren spielsüchtigen Figuren wie dem General, dessen Tante, Polina, Mademoiselle Blanche, Mister Astley und dem Croupier bekannt. Diese Rollen werden auf nur gerade drei Schauspieler (Jonas Rüegg, Dodó Deér, Samuel Streiff), eine Schauspielerin (Tanja Schupnek) sowie einen, auch als Darsteller fungierenden, Musiker (Jeroen Visser) aufgeteilt. Das zwingt zu fliessenden Rollen- und Sprachenwechseln, denn das Deutsche ist mit Französisch und Russisch durchsetzt.
 
All dem ist leicht zu folgen. Schwieriger zu folgen ist hingegen der Positionierung einer Figur, die blitzschnell von der ersten in die dritte Person wechselt. Meier/Blum erreichen damit zweierlei: Die Figuren spiegeln sich (kritisch) selbst, was wiederum dem Zuschauer kritische Distanz erlaubt. Was nach Kopflastigkeit «riecht», ist es nicht: Die Inszenierung arbeitet die jäh aufzüngelnden Emotionen einer ebenso spiel- wie liebessüchtigen Roulette-Gesellschaft trefflichst heraus › und das an einem nicht zwingend als spieltauglich empfundenen Ort. Nun aber erweist sich das so genannte «Rote Foyer» des Kurtheaters als intimer, sehr wohl zu bespielender Raum mit längsseitiger Tribüne. Nathalie Zehnder (Bühne) kontrastiert den blutroten Teppich mit wenigen, in dunklerem Rot gehaltenen Versatzstücken. Hocker lassen sich in Windeseile verschieben › zum Beispiel nach links, gegen den barähnlichen Rou- lette-Tisch. Hier sitzt der Musiker Jeroen Visser. Sitzt scheinbar bloss da und überblickt alles. Seine Gelassenheit steht in markantem Kontrast zu der ihn umgebenden Stimmenpolyphonie, aus der das Publikum Depression sowie Euphorie filtert. Damit muss man sich erst einmal anfreunden, was auch für die zunächst schwer einzuschätzende Funktion des Musikers gilt. Doch dann beginnt dieser mit einem Mal auf Harmonium und Orgel zu spielen › und schon haben wir einen ungemein stimmigen Soundtrack. Eingesetzt als dramaturgisches Mittel, steuert er das Spiel des exzellenten Ensembles auf subtile Weise. Somit vermag die Inszenierung, trotz Längen, den schon bei Dostojewski angelegten Bogen zwischen Emotion und Distanz zu schlagen.
 
Der Spieler 23., 24. Februar, Kurtheater Baden; 28. Februar, 2., 3. und 4. März im Theater Tuchlaube, Aarau.